Stand: Januar 2016

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Die Qual der Wahl

  2. Vereinszüchter und Familienzuchten

  3. FCI und VDH

  4. Dissidenz

  5. Papiere auf Anfrage? Registrierungen, Rennlizenzen etc.

  6. Arbeitslinien und Showlinien?

  7. Zuchtziel – wozu ist es wichtig?

  8. Was kostet ein Rassehund?

  9. Woran erkenne ich nun einen guten Züchter?

  10. Wo finde ich FCI/ VDH Züchter in meiner Nähe?

 

 

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1.) Die Qual der Wahl…

 

Wer sich dazu entschlossen hat einen Hund zu adoptieren und in seine Familie aufzunehmen, sollte sich im Vorfeld unbedingt etwas Zeit nehmen um im Ergebnis tatsächlich auch den richtigen Hund zu finden, denn das Angebot ist vielfältig und gerade für Neulinge manchmal sehr unübersichtlich. Schwarze Schafe gibt es überall, auch bei der Hundezucht. Schnell sitzt man mit der rosaroten Brille auch einem sogenannten Vermehrer auf, denn süß sind Hundewelpen eigentlich immer. Nur gesund und gut aufgezogen leider nicht.

 

Zunächst stellt sich ja die Frage: Soll es ein erwachsener Hund, ein Junghund oder ein Welpe sein?

 

Alles kann Vor- und Nachteile haben, je nachdem wo die eigenen Vorstellungen hingehen und was man dem Tier selbst bieten kann und möchte. Immerhin begleitet einen dieser zukünftige Hund im Durchschnitt bis zu 15 Jahre durchs Leben und die Entscheidung sollte daher gut überlegt sein. Ferner muss man sich entscheiden ob man einen Hund vom Züchter haben möchte oder einem Hund aus dem Tierschutz oder dem Tierheim eine Chance gibt. Zu bedenken ist hierbei, dass gerade für Hundeanfänger ein Hund aus dem Tierschutz schwierig sein kann, da diese immer eine Vorgeschichte aufweisen und diese nicht selten traumatisch war. Mit viel Einsatz und Bemühen kann aber natürlich auch das Abenteuer Tierheimhund gelingen. Es hängt hier aber von der inneren Motivation des späteren Besitzers ab und bedeutet mitunter sehr viel Arbeit. Je nach persönlichem Geschmack sollte man auch das eine oder andere Rassehundebuch zur Hand nehmen, im Internet auf die Suche nach typischen Merkmalen und Verhaltensweisen gehen und nachlesen ob der „Wunschhund“ tatsächlich nach der dortigen Beschreibung grob zu einem passt. Ein Hund mit ausgeprägtem Wach- und Schutztrieb ist wohl eher weniger für die Rentnerin geeignet, die einen Begleiter zum Kuscheln sucht oder für die junge Familie mit kleinen Kindern, die einfach nur einen Spielgefährten haben möchte. Den einen, den perfekten Familienhund gibt es aber generell nicht. Jede Rasse hat ihre speziellen Bedürfnisse und auch der in den letzten Jahren so als familientauglich hervorgehobene Labrador oder Golden Retriever beispielsweise muss natürlich ordentlich erzogen und sorgsam sozialisiert werden.

 

2.) Vereinszüchter und Familienzuchten

 

Hat man sich nun beispielsweise für einen Rassehund vom Züchter entschieden, geht die Suche nach einem geeigneten Zuchtkennel (zu deutsch „Zwinger“ oder Zuchtstätte) los. Hier steht man dann auch schon vor dem ersten „Problem“.

 

Wer ist überhaupt ein Züchter und wie finde ich Züchter der Rasse die ich suche?

 

Der Begriff des „Züchters“ ist in Deutschland nicht geschützt, d.h. jeder kann sich theoretisch als solcher bezeichnen. Viele Interessenten fangen nun an das Internet zu durchsuchen. Hierbei stößt man dann eigentlich auf alles: „liebevolle Familienaufzuchten“ die nur einmal einen Wurf machen wollten, über „Ups-Würfe“, „kleine Hobbyzuchten“ bis hin zu verschiedenen Vereins-Züchtern die auf ihrer Webseite den eigenen Wurf vorstellen. Wie soll man da durchsehen?

 

Grundsätzlich ist zu sagen, dass „Zucht“ per Definition mehr bedeutet als einfach zwei Individuen miteinander zu verpaaren und das ist auch schon der Kern der Unterscheidung. Zucht bedeutet gezieltes, sinnvolles und nachhaltiges Hervorbringen einer gewünschten Ausprägung einer Art.

 

Hunderassen so wie wir sie heute kennen, wurden je nach Einsatzzweck einmal definiert und gefördert. So z.B. die Arbeitshunderassen wie Hütehunde, Schlittenhunde, Jagdhunde oder Schutzhunde. Auf der anderen Seite aber auch Schoßhunde und Hunderassen die zum Vergnügen des Menschen geschaffen wurden. Sucht man also einen geeigneten „Züchter“ sollte man sich genau anschauen wie dieser sein Zuchtziel beschreibt, wie er dies umsetzt und was er mit der jeweiligen Verpaarung bezweckt – so blöd das erst einmal klingt.

 

3.) FCI und VDH

 

Bei der Zucht von Rassehunden wurden schon früh Zuchtvereinigungen gegründet, die ein Mindestmaß an Überlegungen, Kontrolle und Verantwortung sicherstellen sollen, damit die einzelnen Hunderassen ordnungsgemäß und unter den bestmöglichen Bedingungen gezüchtet, also erhalten und - zumindest theoretisch - stetig verbessert werden können. Konkret wurde am 22. Mai 1911 die sogenannte Fédération Cynologique Internationale (FCI) gegründet. Sie umfasst derzeit 90 Mitglieds- und Partnerländer mit jeweils nur einem nationalen Verband pro Land, welcher seinerseits eigene Ahnentafeln ausstellen und die Zuchtrichter ausbilden darf. Die FCI erkennt momentan 343 verschiedene Hunderassen an. Die „Rassestandards“, also die Grundregeln und der Idealtyp für die jeweilige Zucht, werden dabei durch die zuvor festgelegten Ursprungsländer der Rasse in Zusammenarbeit mit der Standards- und der Wissenschaftlichen Kommission der FCI festgelegt. Die Übersetzungen, die Nachführung der Änderungen sowie die Veröffentlichung erfolgt sodann ebenfalls durch die FCI.

 

In Deutschland ist der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) der hiesige Vertreter der FCI.

Er dient wiederum als Dachorganisation für 175 nationale (Rassehunde-)Mitgliedsvereine. Sicherlich sind auch die dort angeschlossenen Züchter nicht frei von Fehl und Tadel, aber es wird dort versucht mittels Vorschriften wie Mindesthaltungsbedingungen, zwingenden Zuchtvoraussetzungen sowie Untersuchungen der Zuchttiere, ein Mindestmaß an Gesundheit und Wesensfestheit der Hunde sicherzustellen. Denn eine Rasse besteht nicht nur aus ihrer spezifischen Optik. Charakter, Wesen und ggf. Arbeitswille gehören ebenso dazu und machen diese in ihrer Gesamtheit aus. Innerhalb des VDH wird dann bei den einzelnen Rassehundevereinen nach vorgeschriebenem und weitestgehend einheitlichem Regelwerk (von rassetypischen Unterschieden abgesehen) gezüchtet und entsprechend streng kontrolliert.

 

Einen FCI/ VDH Züchter erkennt man übrigens an den entsprechenden Logos der beiden Vereinigungen. Das Logo der FCI zeigt eine blau-weiße Weltkugel und das des VDH eine rot-weiße Raute mit den entsprechenden Texten. Achtung, bitte genau hinschauen, denn es gibt durchaus Fälschungen. Hier gelangt ihr zum Vergleich zu den Webseiten der beiden Vereinigungen:

 

http://www.fci.be/de/

und 

http://www.vdh.de/home/

 

Zumindest das FCI Logo muss zwingend auch in der entsprechenden Ahnentafel/ Stammbaum des Hundes abgedruckt sein. Sollte dennoch Unsicherheit bestehen, so kann man auch immer bei der Geschäftsstelle des jeweiligen Rassezuchtvereins nachfragen ob dieser bzw. der betreffende Züchter der FCI und (in Deutschland) dem VDH angeschlossen ist.

 

Bei sogenannten „Familienzuchten“, „Hobbyzuchten“ u.ä. werden die oben beschriebenen Prinzipien meist nicht berücksichtigt. Die Herkunft der Elterntiere ist hier häufig unbekannt oder zumindest nicht lückenlos nachgewiesen und Untersuchungen – soweit vorhanden - oft unvollständig. Man weiß also i.d.R. nicht ob die Mutterhündin z.B. nur vom Phänotyp, rein optisch einer Rasse entspricht oder evtl. von Hunden mit FCI Papieren abstammt und insofern auch genetisch reinrassig ist. Sie wird insofern als potenzieller Mischling anzusehen sein, denn ein Mix verschiedener Rassen muss nicht immer bei jedem betroffenem Hund äußerlich sichtbar und klar erkennbar sein. Es hängt schlicht davon ab welche Gene sich nach außen hin durchsetzen. Wenn also zwei vermeintliche Rassehunde mit einander verpaart werden deren Abstammung nicht bekannt oder nachgewiesen ist, kommt es mitunter zur Vermischung und über lange Sicht gesehen, gehen damit spezifische Merkmale der Rasse verloren. Rein optisch können die Hunde dabei noch genauso aussehen wie es ein Laie erwarten würde, aber im Gencode beginnt die Veränderung die sich dann nach einigen Generationen zeigt. Ganz davon abgesehen, dass die Rassestandards selbst nur selten beachtet werden und diese Hunde daher ebenfalls auch ihre charakteristische Erscheinung nach und nach verlieren. Hinzu kommen, wie gesagt, fehlende Untersuchungen der Elterntiere und demnach leider häufig auch bereits erblich bedingt kranke Hunde.

 

Auch die Aufzucht der Welpen spielt eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des Hundes. In einem FCI-Zuchtverein gibt es genaue Regelungen dazu wie oft und wann eine Hündin gedeckt werden darf, wie eine Wurfbox auszusehen hat, wann entwurmt und geimpft werden muss, wie die Aufzucht der Welpen zu geschehen hat usw. Dies wird vor Abgabe der Welpen an die neuen Besitzer durch einen Zuchtwart kontrolliert und bescheinigt. Auch die Unterbringung der Hunde selbst, also der Zwinger muss vor dem ersten Wurf vom Verein „abgenommen“ worden sein und daher den Voraussetzungen des Zuchtvereins entsprechen. Den Züchtern stehen zudem die Zuchtwarte mit ihrem Wissen tatkräftig zur Seite und unterstützen bei Komplikationen und Fragen. Probleme kommen auch beim Vereinszüchter vor, denn wir reden ja hier immer noch von der Natur. Risiken lassen sich durch gute Vorbereitung zwar erheblich minimieren aber nie ganz ausschließen. Jemand der seine Hündin einmal belegen lässt, weil er z.B. gerne einmal Welpen haben möchte, kann diese Form der Vorbereitung allein nur selten bis gar nicht aufweisen. Es fehlt an Erfahrung, Vorwissen und manchmal auch den einfachsten Grundlagen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber diese sind eben nicht die Regel. Nu ein guter Tierarzt kann eine gute Zuchtvorbereitung ebenso wenig ersetzten. Ohne die Tierärzte herabsetzen zu wollen ist es doch häufig so, dass nur wenige eine natürliche komplikationslose Geburt eines Hundes selbst erlebt haben und daher beurteilen und einschätzen können ob ein Einschreiten bereits notwendig ist.

 

Häufig wird argumentiert, dass Vereinszüchter ihren Tieren nicht die selbe liebevolle Aufzucht ermöglichen würden wie reine Familienzuchten. Dies kann jedoch nicht pauschal bestätigt werden, denn je nach Haltung der Hunde und privaten Umständen des Züchters/ Halters haben diese bei Züchtern genauso Anteil am Familienleben und werden in den Alltag integriert wie bei anderen Familien auch. Kritiker meinen oft, ein Vereinszüchter würde an den Welpen gut verdienen, profitgierig sein und daher weniger das Wohl der Welpen im Auge haben. Dabei wird jedoch vergessen, dass die zuvor genannten Untersuchungen der Zuchttiere, die Abnahme des Zuchtzwingers, die Erlangung der Zuchtberechtigung der einzelnen Tiere, die Decktaxe für den Deckrüden, die ordentliche Versorgung der Welpen etc auch sehr viel Geld und v.a. Zeit kosten. Meist decken die Verkaufspreise daher nur die entstandenen Kosten und kaum ein ordentlicher Züchter kann und will daher in Deutschland allein von seiner Zucht leben. Es ist und bleibt für viele schlicht ein Hobby in das sie Liebe, Zeit und Geld investieren und das tun sie gern. „Lohnen“ tut es sich im monetären Sinne nicht wirklich. Selbst wenn nach einem Wurf der eine oder andere Euro aus der Abgabe der Welpen übrig bleibt, so fließt das Geld i.d.R. in die Haltung der Hunde zurück und nicht aufs Konto. Im Übrigen ist kommerzielle, sprich nur auf Gewinn ausgelegte, Hundezucht im VDH verboten.

 

4.) Dissidenz

 

Im Zusammenhang mit „Papieren“ und Stammbäumen bei der Hundezucht fällt oft auch das Wort Dissidenz-Zucht, aber was genau ist das?  Als Dissidenz bezeichnet man nach der Definition eine Widerstandsbewegung. Bei der Hundezucht meint das Zuchtvereine und Züchter die schlicht außerhalb des VDH züchten. Ist das automatisch schlecht? Nein, es können dort theoretisch genauso verantwortungsvolle Züchter vorhanden sein wie im VDH nur lassen sich diese wesentlich schlechter kontrollieren und überprüfen. Meist sind die Vereine sehr sehr klein und haben eher unvollständige oder fragwürdige Satzungen und Zuchtregeln. Es gibt dort z.B. nur selten überregionale Zuchtwarte und Kontrollen der Zwinger. Die dortigen Zuchtrichter kennen die einzelnen Rassen häufig kaum und vergeben so schneller Titel an eher weniger geeignete Hunde. Ahnennachweise sind teils noch nicht vorhanden oder werden nicht ordentlich geführt. Stammbäume und Papiere eines solchen Vereins werden daher im Gegensatz zu FCI/VDH Papieren nicht international anerkannt. Selbst auf nationaler Ebene sind diese wenn überhaupt nur sehr begrenzt gültig.

Warum also das Ganze? Manch ein Züchter ist einfach mit den Regelungen innerhalb der FCI nicht einverstanden, andere wollen sich diesen schlicht nicht unterwerfen oder sind aus FCI-Vereinen bereits ausgeschlossen worden. In jedem Falle sollte ein solcher Züchter bereitwillig seine Beweggründe offenlegen und gegenüber Interessenten mit offenen Karten spielen, denn tut er dies nicht, ist dies nicht sonderlich seriös. Zudem versteht ein Laie unter „Ahnentafel“ oder „Papiere“ meistens die der FCI und muss daher über den Unterschied aufgeklärt werden. Siberian Huskies ohne FCI-Papiere dürfen auf internationalen Rennen z.B. nicht unter „reinrassig“ starten.

 

WICHTIG:

Ein Wurf in einem FCI-Zwinger oder von Elterntieren mit FCI-Papieren bekommt nicht automatisch FCI-Papiere, sondern es wird zunächst überprüft ob alle Regelungen des FCI-Zuchtvereins eingehalten wurden bevor der Welpe eine eigene FCI-Ahnentafel erhält. Wurde beispielsweise gegen eine wichtige Auflage verstoßen, erhält der Wurf im schlimmsten Falle keine Papiere. Ebensowenig erhalten Welpen die nicht in einem FCI-Zuchtverein gezüchtet wurden FCI-Papiere, selbst wenn beide Elterntiere eine FCI-Ahnentafel besitzen. Warum? Weil eben nur in den entsprechenden FCI-Vereinen die Kontrolle sichergestellt ist, dass die geforderten Zuchtregeln eingehalten wurden.

 

 

5.) Papiere auf Anfrage? Registrierungen, Rennlizenzen etc.

 

Immer wieder liest man auch davon, dass es Züchter geben soll, die einen Welpen auf Wunsch entweder mit Papieren oder ohne verkaufen. Je nachdem was der Käufer wolle, sei der Hund dann ggf. auch billiger in der Anschaffung.

Zunächst einmal: das ist absoluter Quatsch!

 

Ein Rassewelpe aus einer geordneten Zucht erhält immer einen entsprechenden Ahnennachweis/ Stammbaum (Papiere) sofern seine Elterntiere eine Zuchtzulassung beim FCI-Zuchtverein hatten und der Wurf beim Züchter ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Ist dies nicht der Fall, gibt’s auch keine Papiere- Punkt! Da kann man weder als Züchter noch als Käufer „auswählen“, egal ob man den Ahnennachweis nun für sich benötigt oder nicht. Das kann man bei Bedarf in den jeweiligen Satzungen und Ordnungen der Zuchtvereine nachlesen.

 

Was viele hier meinen sind sogenannte „Registrierungen“ oder „Lizenzen“.

 

Hierbei gibt es im Großen und Ganzen zwei Arten:

 

  1. eine reine Rennbescheinigung für vereinzelte Rennen oder

  2. die Registrierung bei einem Rassehundezuchtverein des VDH z.B. dem SHC.

 

Beide wirken sich jedoch teils völlig unterschiedlich aus!

 

 

1. ) Wird von einzelnen Schlittenhundesportvereinen außerhalb des VDSV gegen eine Gebühr (ca. 25 EUR) ausgestellt um die Teilnahme eines Hundes mit nordischer Erscheinung, ohne FCI-Ahnennachweis, in der „reinrassigen“ Wertung, sprich in der Klasse 1: Siberian Husky oder 2: Samojede, Alaskan Malamute, Grönländer zu ermöglichen.

 

Ursprüngliches Ziel war die sportliche Förderung und Integration von Tierschutzhunden bei denen die Abstammung nicht oder nicht mehr nachvollzogen werden kann in den Schlittenhundesport. Heute verkommt diese Lizenz leider immer mehr zum Verkaufsargument für Billig-Welpen aus unseriösen Zuchtstätten.

 

Zur Ausstellung der Renn-Bescheinigung sieht sich ein Vorstandsmitglied des Vereins den ausgewachsenen Hund (auf Anfrage) an und beurteilt dessen Erscheinung. Ist er seiner Meinung nach dem „nordischen Typ“ zuzuordnen, dann erhält der Hund eine sogenannte „Rennlizenz“ und darf auf den Rennen des Vereins sowie anderer Vereine, die diese akzeptieren, unter „reinrassig (rr)“ starten. Bei internationalen Rennen oder Rennen des VDSV werden diese jedoch NICHT akzeptiert. Hier ist bei Hunden ohne FCI-Papiere weiterhin nur eine Teilnahme in der sogenannten „offenen Klasse“ oder „Gästeklasse“ möglich.

 

Einzelne Vereine außerhalb des VDSV ermöglichen inzwischen aber auch völlig OHNE eine gebührenpflichtige Lizenz den Start unter „reinrassig“, sofern eine entsprechende Erscheinung des Hundes gegeben ist. Hierzu ist es hilfreich sich im Vorfeld beim Veranstalter zu erkundigen.

 

2.) Zweite Variante ist die Registrierung des Hundes bei einem Rassehundezuchtverein des VDH.

 

Die Rassehunde-Zuchtvereine des VDH sind verpflichtet, ein Register zu führen.

In das Register können Hunde ohne Ahnentafel oder mit einer vom VDH/FCI nicht anerkannten Ahnentafel nach einer Phänotyp-Begutachtung mit positivem Ergebnis durch einen VDH-Zuchtrichter eingetragen werden. Weiterhin werden in das Register Hunde eingetragen, die von im Register bereits eingetragenen Hunden abstammen. Nachkommen von Hunden, deren Daten in drei aufeinanderfolgenden Generationen lückenlos im Register geführt wurden, können ab der 4. Generation in das Zuchtbuch übernommen werden. Die Rassehunde-Zuchtvereine entscheiden in eigener Zuständigkeit, ob sie eine Zucht mit Registerhunden zulassen.

 

Auszug aus der Zuchtordnung des SHC e.V. als Beispiel:

 

„Im Register werden nur Hunde eingetragen, deren Ahnen nicht vollständig über vier Generationen in von der F.C.I. anerkannten Zuchtbüchern nachzuweisen sind. Ausführungen zu Inhalt und Umfang der Eintragungen finden sich bei Ziffer 8.1, 8.2.3/4..

Ins Register neu aufzunehmen sind Hunde, die mindestens 15 Monate alt sind, deren Ahnen nicht vollständig über vier Generationen in einem von der FCI anerkannten Zuchtbuch nachgewiesen sind, die nicht aus einem im SHC gezogenen Wurf mit Elterntieren aus dem Register stammen und deren phänotypisches Erscheinungsbild und Wesen jedoch nach Beurteilung eines VDH-Zuchtrichters für diese Rasse dem bei der F.C.I. niedergelegten Rassestandard entsprechen.“

 

In der Praxis sieht das so aus, dass ein Hund (Mindestalter 15 Monate)  bei einem VDH-Verein zur Registrierung angemeldet wird und dort (meist im Rahmen einer Zuchtschau oder Veranstaltung) durch einen aktiven VDH-Zuchtrichter hinsichtlich seiner Erscheinung beurteilt wird. Entspricht der Hund dem FCI-Rassestandard der Rasse z.B. Siberian Husky, erhält der Hund (nach Gegenprüfung durch ein DNA-Profil aus einer Haarprobe) eine Registrierungsbescheinigung. Diese besagt fortan, dass der Hund dem Phänotyp (Erscheinungsbild) der Hunderasse entspricht.

 

Sie berechtigt u.a. zur Teilnahme an VDH termingeschützten Hundeausstellungen sowie der Teilnahme in der „reinrassigen“ Wertung auf ALLEN nationalen sowie internationalen Schlittenhunderennen. Sie wirkt in dieser Hinsicht quasi wie eine FCI-Ahnentafel, sie berechtigt jedoch NICHT zur Zucht. Hierzu ist ungehindert eine Zuchtzulassung nach den Regelungen des Zuchtvereins notwendig. Die Kosten der Registrierung liegen je nach Zuchtverein zwischen 200-600 EUR. Sie sind absichtlich so hoch um Schwarzwürfe und Vermehrer nicht zu unterstützen. Ermäßigungen bestehen jedoch i.d.R. für Vereinsmitglieder (Kosten ca. 300,- EUR) sowie nachgewiesene Tierschutzhunde (ca. 200,- EUR)

 

Addiert man nun also den Kaufpreis eines Welpen ohne FCI-Papiere (z.B. 700 EUR) zu den mind. 300,- EUR einer Registrierung beim VDH, landet man bei 1.000 EUR. Das entspricht dem Kaufpreis eines Welpen mit FCI-Papieren aus einer guten Verbindung bzw. kann mitunter bereits darüber liegen.

 

Weitere Informationen finden sich beim SHC unter Downloads : http://www.huskyclub.de/  oder beim DCNH: http://www.dcnh.de/docs/ordnung//Zuchtordnung - zumindest in Bezug auf Siberian Huskies.

 

6.) Arbeitslinien und Showlinien?

 

Bei vielen Rassen gibt es inzwischen eine Trennung zwischen Arbeitslinien und Linien die eher zur „Schau“ geeignet sind, bei denen also die Optik deutlich im Vordergrund steht.

 

Bei den Border Collies ist dies z.B. die Trennung zwischen Hunden die tatsächlich noch zum Hüten eingesetzt und gezüchtet werden und bei denen die Elterntiere zur Zuchtzulassung entsprechend geprüft werden oder Hunden, die „nur“ auf Veranstaltungen ausgestellt werden und (Schönheits-) Titel erkämpfen. Bei letzteren spielt der Hütetrieb eigentlich keine Rolle mehr und es wird vielmehr auf die typische Optik Wert gelegt.  So ähnlich verhält es sich auch bei der Teilung der Siberian Huskies in Arbeits- und Showlinien. Hier werden Hunde in den Arbeitslinien gezüchtet, die auf Rennen laufen und Arbeitsnachweise erbringen müssen und auf der anderen Seite Showlinien die diese Nachweise nicht (mehr) erbringen müssen, in den seltensten Fällen überhaupt schon einmal an einem Rennen teilgenommen haben, dafür aber regelmäßig auf Ausstellungen präsentiert und vorgeführt werden.

 

Es bleibt einem selbst überlassen welche Ausprägung man favorisiert. Man sollte jedoch bedenken wozu die jeweilige Rasse einst geschaffen wurde und ob der betreffende Hund diesen Zweck noch erfüllen könnte (entsprechend dem Zuchtstandard).

 

 

7.) Zuchtziel– wozu ist es wichtig?

 

Auch das Zuchtziel eines Züchters sollte eine – nicht allzu kleine - Rolle bei der eigenen Beurteilung spielen.

Handelt es sich beispielsweise um eine Arbeitslinie und sollen die gezüchteten Hunde daher entsprechend leistungsfähig sein, sollte man sich sehr genau anschauen wie die Elterntiere des Wurfes ausgesucht wurden und welche „Leistung“ sie tatsächlich erbracht haben.

 

Bei Siberian Huskies wäre z.B. interessant welche Distanzen gelaufen wurden/ werden (Sprint, MD oder LD), in welcher Klasse (z.B. Bike, Scooter, O-,A-,B-C, D-Team), auf welcher Position die Elterntiere laufen (Lead, Team, Wheel, …), wo Geschwister der Elterntiere leben & laufen, auf welchen Rennen der Züchter regelmäßig startet (auch DM/EM/WM?) und welche Platzierung mit welcher Zeit (im Verhältnis zur Streckenlänge und Teilnehmerfeld) erreicht wurde usw.

 

Bei Showlinien würde ich persönlich darauf achten, welche Ausstellungen im Einzelnen besucht wurden, also z.B. große FCI/VDH-Ausstellungen oder nur eher kleine Dissidenz-Veranstaltungen und welche Kriterien dort neben der reinen Optik und den üblichen Untersuchungen zur Zuchtbeurteilung herangezogen werden.

 

Natürlich braucht nicht jeder den „Supersportler-Hund“ oder den „Show-Champion“ und es gibt sowieso keine Garantien, aber je nach persönlicher Vorliebe kann man doch den einen oder anderen wichtigen Anhaltspunkt für sich bekommen.

 

Vorsichtig bzw. sehr kritisch wäre ich bei sogenannten „Allround-Züchtungen“, d.h. Züchtern die sich nicht auf eine Richtung oder einen Typus wie Arbeits- oder Showlinie festgelegt haben und dies ausdrücklich im Zuchtziel betonen. Dies, da man eigentlich erwartet, dass auch bei Ausprägung eines Typs wie z.B. einer Arbeitslinie- im Rahmen der Einhaltung des Rassestandards - immer in gewissen Grenzen noch eine universelle Einsatzfähigkeit vorhanden ist. Es sollte daher kein eigenes Zuchtziel sein, sondern gewissermaßen die Basis der Zucht! Auf gut deutsch: Showlinien die arbeiten und Arbeitslinien die auf Ausstellungen gute Noten erhalten, sind eigentlich Voraussetzung bei der Selektion.

 

Es geht also vielmehr um diejenigen Zuchten, die sozusagen „alles können“. Sicherlich mag es auch dort einzelne positive Ausnahmen geben, aber oft ist die sogenannte „Allround-Zucht“ nur ein Deckmantel für eine weniger gute oder kritische Zuchtauswahl. D.h. der Züchter ist z.B. weder erfahren oder engagiert genug um leistungsfähige Arbeitslinien hervorzubringen und/ oder erreicht mit seinen Hunden auch im Showbereich keine nennenswerten Platzierungen auf den größeren Schauen. Zusätzlich werden dann teils immer wieder dieselben Deckrüden eingesetzt oder sogar mehrmals ganze Würfe wiederholt, was i.d.R. weder zuchttechnisch sinnvoll und interessant ist, noch von besonderer Entwicklung des Züchters und seiner Zuchtstätte zeugt. Etwas anderes würde wohl gelten, wenn die Hunde aus den Würfen sich derart außerordentlich gut entwickelten, dass weitere Nachkommen wünschenswert sind. Doch selbst dann wäre eine mehr als zweimalige Wiederholung ungewöhnlich. Hier ist  erneut die jeweilige Beurteilung und Begründung des Züchters zu beachten. Hübsch allein reicht nicht!!! Abzugrenzen sind hiervon natürlich Züchter die u.a. zwecks Blutauffrischung auch mal Outcross-Verpaarungen (z.B. Sport-Showverpaarung) mit einer genauen oder langfristigen Zielsetzung vornehmen o.ä.

 

Ein negatives Beispiel in diesem Zusammenhang ist auch eine Züchterin gewesen, die ihre Siberian Husky- Welpen, aus einer Showlinie, immer und überall als die perfekten Reitbegleithunde, Therapiehunde, Agilityhunde, Dogdancehunde, usw. anpries. Natürlich mag man auch einen Husky, mit genug Training und Geduld, grundsätzlich dazu bringen KÖNNEN diese Dinge zu tun, aber a) gilt dies noch lange nicht pauschal für alle Vertreter der Rasse, b) gibt es sicherlich geeignetere Rassen hierfür und ein Husky mit seinem freidenkendem Wesen ist sicherlich nicht der optimale Hund dazu und c) warum züchte ich überhaupt Siberian Huskies wenn ich keinerlei Interesse an deren ursprünglicher Funktion und ihren typischen Eigenschaften habe bzw. alles andere mit ihnen tue, nur bloß nicht deren rasseigenen Sport?!

 

Mann sollte sich fragen, ob der Züchter über ausreichend Fachwissen verfügt. Sie kaufen doch auch keine Waschmaschine beim Gemüsehändler oder?

 

8.) Was kostet ein Rassehund?

 

Die Preise für FCI-Rassehunde unterscheiden sich sehr stark. Je nach Häufigkeit und Beliebtheit der Rasse, Bekanntheitsgrad des Zuchtzwingers oder der Elterntiere sowie anderer Einflussfaktoren. Grundlegend kann man aber sagen, dass Hunde aus sogenannten Showlinien zumeist teurer sind als Hunde aus Arbeitslinien. Das hängt schlicht mit der Nachfrage des Angebots zusammen, denn Arbeitshunde werden i.d.R. auch nur an Personen verkauft die damit umgehen können und wollen. Hier gibt es daher meist weniger Würfe und das grenzt den Kreis der Erwerber schon stark ein. Showlinien hingegen werden häufig als „einfach zu halten“ angepriesen und verkaufen sich durch ihre markantere (nicht selten auch etwas überspitzte) Optik besser. Hier sei aber gesagt, dass ein Showhund charakterlich nicht immer „einfacher“ sein muss.

 

Bei der Rasse des Siberian Husky liegen die üblichen Preise für Welpen in Deutschland derzeit bei Hunden aus Arbeitslinien zwischen 900-1.500 EUR und Showlinien zwischen 1.000-1.800 EUR.

 

Zum Vergleich: Im Internet werden nicht selten Hunde ohne Abstammungsnachweis bzw. FCI-Papiere für den selben Preis oder sogar mehr angeboten. Nun muss man sich ehrlich fragen, wie sich dieser Preis rechtfertigt und welche Kosten diese "Züchter" tatsächlich hatten. Wer "verdient" dann tatsächlich: der FCI Züchter oder der ohne? Bleiben sie trotz der ach so süßen Welpen sachlich und trauen Sie sich Fragen zu stellen.....

Selbst wenn der Welpe "nur" 400,- EUR kostet muss das natürlich nicht heißen, dasss er deswegen weniger wert ist. Darum geht es hier gar nicht. Das Tier kann nichts dafür und kann die treuste Seele auf der Welt sein. Nur leider trägt man die Differenz des Kaufpreises dann nicht selten zum Tierarzt, weil am falschen Ende gespart wurde.

 

9.) Woran erkenne ich nun einen guten Züchter?

 

Auf der Suche nach einem passenden Welpen, sollte man unbedingt mindestens 1-2 x den betreffenden Züchter besuchen. Entscheidend ist dann v.a. das eigene Bauchgefühl und als Hilfestellung sollte man u.a. auf folgendes achten:

 

  • Sind die Elterntiere oder zumindest das Muttertier vor Ort? Wenn ja, welchen Eindruck machen diese? Wirken sie gepflegt?

  • Wie alt sind die Elterntiere und besitzen sie eine gültige Zuchtzulassung?

  • Wurden die Elterntiere auf Erbkrankheiten untersucht? Ergebnisse zeigen lassen!

  • Wie wurden sie ausgesucht? Was ist das Zuchtziel und wie wird es umgesetzt?

  • Wirkt der Züchter erfahren bzw. glaubwürdig?

  • Wie viele Würfe sind schon in diesem Jahr der Zuchtstätte gefallen bzw. geplant und warum?

  • Wo sind die erwachsenen Hunde und die Welpen untergebracht? Haben Sie Familienanschluss bzw. regelmäßigen Kontakt zum Menschen? Ist der Zwinger bzw. der Platz an dem die Hunde leben sauber?

  • Wie werden die Welpen aufgezogen und sozilaisiert?

  • Wann bzw. in welchem Alter werden die Welpen abgegeben?

  • Ist der Welpe bei Abgabe regelmäßig entwurmt, geimpft und gechipt?

  • Wirken die Welpen (sofern schon da) gut genährt, zugänglich, offen und gepflegt?

  • Bei Hunden aus Arbeitslinien: wo laufen/arbeiten Eltern, Geschwister der Eltern bzw. welche Krankheiten hatten diese womöglich?

  • Gibt es einen Kaufvertrag?

  • Sofern Papiere vorhanden, sollten diese mit dem Welpen übergeben oder spätestens 2-3 Wochen danach übergeben werden

  • Usw.

 

Ein seriöser Züchter wird stets alle Fragen bestmöglich und bereitwillig beantworten, denn diese Fragen zeugen von Interesse am Hund!

 

Zum Thema Wühltischwelpen und Vermehrer gibt’s hier noch Infos:

 

http://www.wuehltischwelpen.de/

 

10.) Wo finde ich FCI/ VDH Züchter in meiner Nähe?

 

http://www.vdh.de/welpen/inhalt/tippsanschaffung  (unten Suche nach PLZ).

 

Für die Rasse des Siberian Husky zudem hier:

 

http://www.huskyclub.de/  (SHC, Arbeitslinien)

http://www.dcnh.de/index.php?site=welpen_schlitten  (DCNH, v.a. Showlinien, einzelne Arbeitslinien)

 

 

 

Wir helfen euch bei Bedarf gerne auch einen passenden Züchter zu finden !

 

 

 

Das Urheberpersönlichkeitsrecht für diesen Text liegt beim Verfasser (Stefanie Knop). Vervielfältigungen und Veröffentlichungen sind nur auf Anfrage und nach Genehmigung, mit Nennung des Verfassers, erlaubt.

 

 

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Anbei noch ein Link zu einem aktuellen Video-Beitrag des RBB (im Feld zum Video scrollen):

 

 

https://www.rbb-online.de/tierzuliebe/letzte_sendung/augen-auf-beim-hundekauf.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Papiere und Züchter